Gianni Polgar und der Flughafen Frankfurt

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Unsere Begegnung mit Gianni Polgar

Geschichte wird oft in Büchern und Daten erzählt. Bei unserer Begegnung mit Gianni wurde sie für uns persönlich.

Gianni wurde 1936 in Fiume geboren, einer Stadt, die heute zu Kroatien gehört und damals Teil Italiens war. Als jüdisches Kind erlebte er schon früh, was Ausgrenzung und Verfolgung bedeuten. Große Teile seiner Familie wurden während der Shoah ermordet. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern floh er 1939 nach Rom.

Doch auch dort war die Familie nicht sicher. Durch die antisemitischen Rassengesetze wurde Gianni im Alltag diskriminiert und ausgegrenzt. Als die Nationalsozialisten Rom besetzten, musste die Familie im Untergrund leben. Um zu überleben, erhielt Gianni eine falsche Identität als katholischer Junge "Franco" und wurde in einem Collegio versteckt. Dort blieb er bis zur Befreiung Roms durch die Alliierten im Jahr 1944.

Eine besondere Rolle in Giannis Geschichte spielt die deutsche Sprache. Sein Vater liebte Deutsch, die Familie hatte ungarische Wurzeln und wuchs mehrsprachig auf. Als die Familie nach Rom floh, sprach Gianni als kleiner Junge fast nur Deutsch. Diese Sprache hat er bis heute bewahrt. Gewissermaßen das Deutsch eines dreijährigen Kindes aus den 1930er-Jahren.

Jahrzehnte später, im Jahr 1964, kam Gianni eher zufällig wieder in eine deutschsprachige Umgebung. Auf einer Flugreise wurde seine Maschine nach Frankfurt umgeleitet. Dort hörte er zum ersten Mal seit seiner frühen Kindheit wieder überall Deutsch. Für ihn war das ein bewegender Moment, weil die Sprache Erinnerungen an seine Kindheit und seine Familie weckte und er fühlte sich trotz allem was passiert war "zu Hause".

Bei unserem Gespräch wurde aber nicht nur Geschichte greifbar. Gianni machte deutlich, wie wichtig Gleichberechtigung, Respekt und Menschlichkeit sind. Seine Botschaft an uns war klar: Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer Religion, Herkunft, Sprache oder anderer Merkmale unterschiedlich behandelt werden. Seine Lebensgeschichte zeigt, welche Folgen Ausgrenzung haben kann und warum demokratische Werte niemals selbstverständlich sind.

Gleichzeitig hat uns Gianni vor Augen geführt, dass unterschiedliche Identitäten zusammengehören können. Er ist jüdisch, italienisch, europäisch und durch seine Familiengeschichte mit verschiedenen Kulturen verbunden. Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für unsere heutige Gesellschaft: Vielfalt ist ihr Schatz - wie Gianni sagt.

Wir hatten die Gelegenheit, Gianni Paolgar am 24. Juni 2026 im Rahmen unserer Projekttage am Gymnasium Nord zu treffen. Seine Erzählungen haben uns bewegt. Die persönlichen Eindrücke und Gedanken, die wir aus dieser Begegnung mitgenommen haben, stellen wir in den folgenden Abschnitten vor.

Warum ist der Flughafen für Gianni ein besonderer Ort und warum ist es wichtig seine Erinnerungen zu bewahren?

Weil er dort ein Stück Heimat gespürt hat.

Gianni sprach als Kind Deutsch und hörte es am Flughafen zum ersten Mal seitdem wieder. Es ist wichtig die Erinnerungen zu bewahren, um in der Zukunft solche Sachen wie den Krieg zu verhindern.

Sprache ist Heimat und Identität für Gianni, die deutsche Sprache erinnert ihn an seine frühe Kindheit und seine Eltern. Auch wenn diese Sprache später die Sprache der Nazis war.

Weil er für ihn einen Ort des Neuanfangs symbolisiert.

Es erinnert ihn an die Zeit zurück, wo die deutsche Sprache nicht etwas freies bedeutet hatte, da Gianni vom Nazi deutschen Volk verfolgt wurde und aufgrund dessen sein Leben unter starker Angst war.
Weil er da zum ersten Mal seit langer Zeit deutsch sprechen konnte und sich dadurch an seine Kindheit erinnern hat.

Es ist wichtig da jede einzelne Geschichte wertgeschätzt werden sollte. Vor allem weil man durch diese Geschichten eine bessere Vorstellung davon bekommt wie die Auswirkungen damals wirklich waren.

An diesem Ort hat er begriffen, dass er viele Identitäten in sich vereint und dass eine davon, zumindest die Sprache betreffend, eine deutsche ist.

Ein Zuhause-Gefühl Im Land der Täter.

Es ist für ihn eine besonderer Ort, weil er dort die deutsche Sprache wieder gehört hat, die lange für ihn negativ assoziiert war und jetzt auch wieder etwas positives hat (aus Kindheit).

Nach der Begegnung mit Gianni...was bedeutet es für uns Enkelin und Enkel Europas zu sein?

Es heißt sich an Geschichten zu erinnern und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Verantwortung zu übernehmen.
Sich einzusetzen.

Aus Geschichte lernen.

Europa ist ein Geschenk: gemeinsame Werte, Frieden und Freiheit und eine Vielfalt an Sprachen und Kultur.

Wir bekommen die europäische Geschichte weiter vererbt und sind diejenigen, die diese weiter schreiben aber auch die alten beibehalten und bewahren.

Es bedeutet, dass man eine große Verantwortung hat sich historische Ereignisse zu merken, da man so das Leid immer im Gedanken hat, außerdem ist das Lernen von Erfahrungen wichtig für eine Verbundenheit.

Sich geborgen zu fühlen, von Geschichten zu lernen.

Enkel Europas sein bedeutet die Vergangenheit als Verpflichtung und Ansporn zu nehmen und sich für Einheit, Verständigung und Zusammenhalt stark zu machen.